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Unsere Analyse der Situation

Die bildungspolitische Bilanz der Regierung ist ernüchternd. Zahlreiche unausgegorene Reformen haben zu Verunsicherung bei sämtlichen Schulpartnern geführt. In der Grundschule hat die Einführung des kompetenzorientierten Unterrichts ohne eine entsprechende Aus- bzw. Weiterbildung der Lehrkräfte zu sehr viel Unsicherheit und Unklarheiten geführt. Hinzu kommt, dass die Lehrbücher und -materialen nicht entsprechend angepasst wurden. Dies ist ein Geburtsfehler der Grundschulreform, der auch mit dem größten Engagement seitens der Lehrerinnen und Lehrer nicht aufgefangen werden konnte. Hinzu kommt, dass mangels entsprechender Richtlinien seitens des Ministeriums die Reform von Schule zu Schule anders umgesetzt wurde.

Der administrative Aufwand für die Lehrkräfte ist durch die Grundschulreform stark gestiegen, was zur Folge hat, dass wertvolle Zeit, die die Lehrer in die Vorbereitung ihres Unterrichts stecken könnten, für Papierkram verloren geht. Fazit: Vom vorgegebenen Ziel, nämlich eine besseren individuellen Förderung des einzelnen Schülers, sind wir heute weiter denn je entfernt.

Die DP bekennt sich zu notwendigen Reformen in unserem Bildungswesen. Mit uns wird es allerdings keine Experimente zu Lasten der Kinder, Lehrer oder anderen Schulpartnern geben. Bevor Reformen in die Wege geleitet werden, werden wir im Vorfeld eine wissenschaftliche Problemanalyse durchführen lassen. Wir sind davon überzeugt, dass Reformen erst dann angegangen und umgesetzt werden können, wenn die Probleme bzw. die Ursachen hierfür genau bekannt sind. Mögliche Reformvorschläge werden wir genau auf ihre praktische Umsetzung hin überprüfen.

Der Erfolg der Schule muss sich nach liberaler Auffassung auch daran messen lassen, inwiefern er allen Kindern die gleichen Startchancen ins Leben bietet, unabhängig von ihrem familiären oder sozio-kulturellen Hintergrund. Die Luxemburger Schule reproduziert und verstärkt jedoch soziale Ungleichheiten. Dieses Problem ist spätestens seit der ersten PISA-Studie bekannt und wissenschaftlich belegt. Doch die Bildungspolitik der aktuellen Regierung hat sich schwer damit getan, differenzierte Angebote innerhalb der öffentlichen Schule zuzulassen, die etwa den besonderen Bedürfnissen von Kindern mit Migrationshintergrund Rechnung tragen.

Die DP will den „sozialen Lift“ wieder zum Funktionieren bringen. Entsprechende Vorschläge, wie etwa die zweisprachige Alphabetisierung, die v.a. frankophonen Kindern einen besseren Einstieg in unser Bildungssystem ermöglicht hätte, wurden jedoch von der Regierung abgelehnt.

Die DP möchte den Blick weg von großen Strukturdebatten, wie sie in den vergangenen Jahren geführt wurden, hin auf die Frage was die Qualität des Unterrichts konkret im schulischen Alltag ausmacht lenken. Bei diesem Perspektivwechsel kommt der Rolle des Lehrers und seinem Handeln eine zentrale Funktion zu. Internationale Studien zeigen, dass der Lehrer ein Schlüsselelement im Hinblick auf den Lernerfolg darstellt („Auf den Lehrer kommt es an.“).

Für die DP müssen künftige Schulreformen an der Basis ansetzen und den Lehr- respektive Lernprozess in den Klassensälen konkret unterstützen. Die DP verfolgt dabei eine Bottom-Up-Strategie, bei der die Lehrer als wichtigster Partner der Schulentwicklung gesehen werden. Ziel ist und bleibt eine möglichst individuelle Förderung des Schülers. Viel zu lange wurde jedoch in Scheindebatten über Bildungsstandards und Bewertungsmodelle diskutiert. Die Schulen und die Bildungspolitik müssen sich schnell wieder der Frage widmen, wie diese Ziele konkret erreicht werden können.

Was wird die DP in den kommenden Jahren tun?

Startchancen verbessern

Bildung ist das Schlüsselelement zu einem selbstbestimmten und freien Leben. Aus diesem Grund sehen wir in der Bildung ein Grundrecht für alle Menschen, unabhängig vom Einkommen, von Herkunft, Hautfarbe, Religion oder Geschlecht. Ein leistungsfähiges und sozial gerechtes Bildungssystem ist entscheidend für die individuellen Lebenschancen unserer Kinder und zugleich eine unerlässliche Voraussetzung für den ökonomischen Erfolg und den sozialen Zusammenhalt in unserem Land. Gleiche Startchancen ins Leben, eine qualitativ hochwertige Ausbildung und das Stärken der individuellen Fähigkeiten jedes Kindes sind daher zentrale Punkte liberaler Bildungspolitik.

Soziale Herkunft darf nicht über Erfolg entscheiden

Internationale Vergleiche zeigen immer wieder die hohe Abhängigkeit des Erfolgs in unserem Bildungssystem von der sozialen Herkunft. Unser Ziel ist die Schaffung eines leistungsfähigen und sozial gerechten Bildungssystems, in dem das Prinzip der individuellen Förderung gelebt wird. Wir wollen Aufstieg durch Bildung ermöglichen und mehr Chancengerechtigkeit in unserem Bildungssystem erreichen. Wir wollen, dass alle Menschen von Anfang an gleiche Chancen haben, ihr individuelles Potenzial zu entwickeln.

Schulautonomie stärken

Um die Qualität unseres Bildungssystems nachhaltig zu verbessern, setzt die DP auf mehr Autonomie für unsere Schulen. In Zukunft sollen Entscheidungen über pädagogische Inhalte und Methoden nicht mehr von der Politik (Ministerium, Parlament, Regierung), sondern von den Fachleuten vor Ort geklärt werden. Die Politik muss ihrerseits klare Zielsetzungen vorgeben und ein Monitoring bzw. eine Evaluation der Arbeit in den Schulen garantieren. Zudem beschränkt sich die Politik darauf, allen Kindern faire Zugangschancen zum öffentlichen Bildungssystem zu garantieren und stellt die Finanzierung sicher. Innerhalb dieses staatlichen Qualitätsrahmens wissen die Beteiligten und Verantwortlichen vor Ort in Kindertagesstätten, Grund- und Sekundarschulen am besten, wie sie ein gutes Bildungsangebot aufbauen können. Entscheidungen zu Personal, Finanzen, Sachausstattung und inhaltlichem Profil sollen dezentral im Wettbewerb der Ideen getroffen werden. Transparenz über Methoden und Ergebnisse stärkt zudem die Wahlfreiheit für Eltern und Schüler.

Kompetenzorientierter Unterricht allein löst keine Probleme

Die individuelle Förderung des Schülers steht im Mittelpunkt unserer Bildungspolitik. Die DP bekennt sich zu den Zielen des kompetenzorientierten Unterrichts. Die Art und Weise, wie diese Ziele erreicht werden sollen, ist jedoch völlig offen und erfordert deshalb eine konkrete Auseinandersetzung mit einer individualisierten Unterrichtsgestaltung. Die DP steht zum Prinzip der Vielfalt an pädagogischen Modellen in den Luxemburger Schulen. Der kompetenzorientierte Unterricht ist für uns lediglich ein Instrument unter vielen, das dem Lehrer zur Verfügung steht. Für die DP ist der kompetenzorientierte Unterricht kein klar umrissenes didaktisches Modell und lässt deshalb eine Vielzahl an unterschiedlichen pädagogischen Ansätzen zu. Wir wollen die aktuellen Lehrpläne überarbeiten und die darin enthaltenen Kompetenzsockel auf ein Minimum reduzieren bzw. auf einige Kernbereiche begrenzen. Das Vermitteln der Allgemeinbildung darf nicht vernachlässigt werden. Das Bewertungssystem muss stark vereinfacht werden, sodass der administrative Aufwand für die Lehrer auf ein Minimum reduziert wird und die Verständlichkeit für die Eltern und Schüler garantiert ist.

Sekundarschulreform inhaltlich verbessern

Die DP spricht sich für die Einführung des Tutorats in der Sekundarschule aus. Die Rolle, die der Tutor gegenüber dem Schüler übernehmen soll, muss jedoch klar definiert werden, wenn die Zusammenarbeit zwischen Schüler und Tutor gewinnbringend sein soll. Vor diesem Hintergrund will die DP eine detaillierte Analyse der Tutorat-Projekte vornehmen, die in den vergangenen Jahren in einigen Schulen initiiert wurden. Die DP plädiert dafür, dass die Rolle des Tutors sich auf die Begleitung und Orientierung des Schülers in schulischen Fragen konzentrieren soll. Die Arbeit zwischen Tutor und Schüler soll durch den „travail personnel“ strukturiert und in einem Portfolio dokumentiert werden. Im Vordergrund der Arbeit sollen einerseits die besonderen Interessen und Stärken des Schülers stehen, die es zu fördern gilt sowie andererseits die Schwächen, die riskieren, dem Schüler die gewünschte schulische Orientierung zu verbauen. Die DP kann sich deshalb vorstellen, dass das Tutorat nicht nur auf den unteren Klassen der Sekundarschule eingeführt wird.

Bei außerschulischen Problemen soll der Tutor ein Ansprechpartner für den Schüler sein und dadurch die Hemmschwelle senken, um einen Kontakt etwa mit dem Schulpsychologen aufzunehmen. Der Tutor soll demnach eine wichtige koordinierende Rolle spielen für eine ganze Reihe von Ansprechpartnern (Klassenlehrer, Schulpsychologe, Sozialarbeiter, usw.), die dem Schüler zur Verfügung stehen.

Schulklima und Schülerbetreuung verbessern

Die DP ist der Ansicht, dass die Schulleitung versuchen sollte in den ersten beiden Jahren des „cycle inférieur“ die Lehrerteams weitestgehend beizubehalten. Dadurch verspricht sich die DP eine verbessertes Schulklima und eine kohärentere Betreuung der Schüler.

Individualisierter Unterricht

Die DP ist der Ansicht, dass das Wiederholen eines ganzen Schuljahres eine undifferenzierte und wenig effiziente Maßnahme ist, um schulische Defizite eines Schülers aufzuarbeiten. Um das Sitzenbleiben zu verhindern, müssen die Ursachen des schulischen Scheiterns bekämpft werden. Anstatt dass die Schüler innerhalb der „classes de raccordement“ individuell betreut werden, will die DP, dass eine stärkere Individualisierung des Unterrichts in allen Fächern garantiert wird. Die DP ist darüber hinaus der Ansicht, dass schulische Defizite durch individualisierte Hausaufgaben innerhalb des Schuljahres in Angriff genommen werden müssen.

Promotionskriterien an Bildungsziele und -programme knüpfen

Die DP will eine detaillierte Analyse des aktuellen Kompensationssystems durchführen, um in voller Kenntnis der positiven und negativen Auswirkungen dieses Systems über eine Reform diskutieren zu können. Für die DP kann eine Debatte über die Promotionskriterien jedoch nicht losgelöst gesehen werden von einer Debatte über Bildungsziele und Schulprogramme. 

Freiheit bei der Auswahl von Studienfächern

Die DP ist der Ansicht, dass die Schüler weitgehende Freiheit bei der Auswahl ihrer Studienfächer genießen sollten. Ein mögliches Problem bei dieser Vorgehensweise besteht darin, dass die Schulen aus organisatorischen Gründen möglicherweise nicht alle Fächerkombinationen anbieten werden können. Deshalb will die DP die Schulen darin unterstützen, sich thematische Schwerpunkte zu geben, um so den Schülern von vorneherein eine Garantie geben zu können, dass bestimmte Fächerkombinationen möglich sind. Den Schülern die Wahlmöglichkeit zu geben, reicht jedoch alleine nicht aus. Die Schüler müssen auf diese Entscheidung vorbereitet und dabei unterstützt werden. Die DP will dies im Rahmen eines individuellen Zukunftsplans für jeden Schüler garantieren. Die Wahl der Fächerkombination des „cycle supérieur“ soll demnach das Resultat eines langfristigen Reflexionsprozesses des Schülers sein, bei dem auch die Eltern und der Tutor eng eingebunden sind.

Priorität für die Bildung für nachhaltige Entwicklung

Die Vereinten Nationen haben für die Jahre 2005 bis 2014 die Weltdekade “Bildung für nachhaltige Entwicklung” ausgerufen. Diesbezügliche Projekte gibt es nur sehr sporadisch in Luxemburg. Grundschule und Sekundarschule sollen starker auf Themen der nachhaltigen Entwicklung vorbereiten. Ziel der Schule muss es sein, das Verständnis für komplexe Zusammenhänge zwischen Globalisierung, wirtschaftlicher Entwicklung, Umweltbelastungen, Lebensqualität, Gesundheit und sozialen Verhältnissen im Unterricht zu fördern.

Die Vereinten Nationen haben für die Jahre 2005 bis 2014 die Weltdekade “Bildung für nachhaltige Entwicklung” ausgerufen. Diesbezügliche Projekte gibt es nur sehr sporadisch in Luxemburg. Grundschule und Sekundarschule sollen starker auf Themen der nachhaltigen Entwicklung vorbereiten. Ziel der Schule muss es sein, das Verständnis für komplexe Zusammenhänge zwischen Globalisierung, wirtschaftlicher Entwicklung, Umweltbelastungen, Lebensqualität, Gesundheit und sozialen Verhältnissen im Unterricht zu fördern.

Berufsausbildung verbessern

In den vergangenen Jahren hat die Berufsausbildung leider einiges Ansehen eingebüßt. Dies liegt u.a. an einer unausgegorenen Reform, durch die das System extrem kompliziert und damit teilweise auch intransparent sowohl für die Schüler als auch deren Eltern geworden ist. Die DP tritt für eine konsequente Aufwertung der Berufsausbildung ein. Die Berufslehre muss verstärkt als positiver Bildungsweg verstanden werden. Daher werden wir auch dafür sorgen, dass das System sowohl qualitativ verbessert, aber auch verständlicher und übersichtlicher wird. Am Beginn einer bestimmten Ausbildung müssen sowohl die betroffenen Schüler als auch die Eltern wissen, mit welchem Abschluss ihr Kind diese Ausbildung abschließen kann und welche Berufsaussichten bzw. gegebenenfalls mögliche weiterführende Studien wie im Falle des Technikers damit verbunden sind. 

"Régime préparatoire" von der Sackgasse zum Trampolin

Das „régime préparatoire“ darf nicht zu  einer Sackgasse unseres Schulsystems werden. Denn die Orientierung in diese Schulform folgt allein einer negativen Logik. Hier finden sich all diejenigen Schüler wieder, die aufgrund von schulischen Defiziten nicht in andere Ausbildungswege aufgenommen werden konnten. Die Gründe für diese schulischen Defizite werden bei der Orientierung jedoch nicht genügend in Betracht gezogen.

Bei den Schülern des „ régime préparatoire“ bedarf es einer detaillierten Analyse ihrer schulischen Probleme. Darauf aufbauend muss noch im ersten Jahr des „préparatoire“ zusammen mit dem Schüler und seinen Eltern das Orientierungsziel festgehalten werden, auf das hingearbeitet werden soll. Das Programm, nach dem der Schüler unterrichtet wird, soll sich an den vorgegebenen Zielen orientieren. Inwiefern sich dies durch eine Differenzierung des Unterrichts bewerkstelligen lässt oder es einer grundsätzlicheren Reform des „régime préparatoire“ bedarf, soll kurzfristig in einer fundierten Studie analysiert werden. Das Ziel muss darin bestehen, so vielen Schülern wie möglich aus dem „préparatoire“ zu einer weiterführenden Ausbildung zu verhelfen. Gleichzeitig gilt es jedoch, bereits frühzeitig diejenigen Schüler zu identifizieren, die dieses Ziel nicht erreichen können. Bei diesen Schülern muss der Unterricht sich stärker als bisher auf praxisbezogene und handlungsorientierte Inhalte konzentrieren. Darüber hinaus soll bei diesen Schülern die Berufsorientierung im Mittelpunkt stehen und durch Praktika unterstützt werden.

Reform der "Éducation différenciée"

Die DP bekennt sich zum Prinzip der Inklusion, wonach Kinder mit Behinderung bzw. mit besonderen schulischen Bedürfnissen nach Möglichkeit innerhalb der Regelschule unterrichtet werden sollen. Wenn das Prinzip der Inklusion jedoch wirksam umgesetzt werden soll, müssen die Schulen besser in ihrer Arbeit unterstützt werden. Die DP fordert deshalb sowohl eine tief greifende Reform der „éducation différenciée“, deren Ziel in einer engeren Anbindung an die Regelschule bestehen soll, als auch eine Verbesserung der schulmedizinischen und psychologischen Betreuung und Beratung in den Grundschulen.

Sprachliche Frühförderung

Das Luxemburger Schulsystem basiert stark auf der luxemburgischen und der deutschen Sprache. Vor allem französisch- und portugiesischsprachige Schüler sind oftmals überfordert, wenn sie bei ihrer Einschulung mit beiden Sprachen konfrontiert werden. Unser Schulsystem hat jedoch den großen Vorteil, dass die Kinder schon im „Précoce“ und im Kindergarten (Cycle 1) mit der luxemburgischen Sprache in Kontakt kommen. Diese zwei bis drei Jahre sollten nach Auffassung der DP für eine sprachliche Frühförderung genutzt werden, um Schülern mit Migrationshintergrund die nötigen Sprachkenntnisse des Luxemburgischen zu vermitteln. Entsprechende Programme müssen weiterentwickelt und die Lehrkräfte entsprechend aus- bzw. weitergebildet werden.

Sowohl die Lehrer als auch die Eltern sollten daraufhin sensibilisiert werden, dass die Einschulung in Luxemburg gewisse Sprachkenntnisse voraussetzt. Um dies zu verdeutlichen, sollten Kompetenzsockel im Luxemburgischen ausgearbeitet werden, die als Basis vorausgesetzt werden, um problemlos dem Schulprogramm des Cycle 2.1 folgen zu können. Das Erreichen dieser Kompetenzsockel soll jedoch ausdrücklich nicht eine Voraussetzung für die Einschulung darstellen. Es geht vielmehr darum, Ziele festzulegen, die durch eine intensive Sprachförderung im „Précoce“ und im Kindergarten erreicht werden sollen.

Zweisprachige Alphabetisierung ermöglichen

Das Angebot der Luxemburger Schulen muss sich nach Ansicht der DP im Hinblick auf die Sprachenproblematik stärker differenzieren. Ein Ansatz hierfür kann die zweisprachige Alphabetisierung darstellen. Ein entsprechendes Projekt für eine zweisprachige Schule, in der Deutsch und Französisch nach den Prinzipien der Immersion und „Ein Lehrer, eine Sprache“ von Beginn an unterrichtet werden, wurde von Luxemburger Lehrern ausgearbeitet. Dieses Konzept könnte sich wohl für luxemburgische Kinder als auch für Kinder mit Migrationshintergrund als gewinnbringend erweisen. Gleichzeitig wäre die zweisprachige Schule auch eine Brücke, mit der man am Ende der Grundschule eine gemeinsame sprachliche Grundlage schaffen könnte für eine gerechtere Orientierung in die Sekundarschule.

Mehrsprachigkeit anders fördern

Die DP bekennt sich zur Mehrsprachigkeit im Luxemburger Schulsystem und zu hohen Sprachenstandards in der Sekundarschule. Doch bei dem Erlernen von Fachkompetenzen in den Nicht-Sprachenfächern darf es nicht zu sprachlichen Barrieren kommen. Hier muss das Erlernen der Fachkompetenzen im Mittelpunkt stehen. Um den unterschiedlichen sprachlichen Fähigkeiten der Schüler Rechnung tragen, und die Schüler möglichst individuell fördern zu können, sollte eine Differenzierung der Unterrichtssprache in den Nicht-Sprachenfächern angeboten werden. Die DP will daher den Schülern grundsätzlich eine Wahlmöglichkeit bei der Unterrichtssprache anbieten.

Die DP tritt dafür ein, dass der Sprachenunterricht an unseren Schulen grundlegend überdacht wird. Der Unterricht muss mehr auf den Aspekt der Fremdsprachigkeit ausgerichtet werden, sprich Deutsch und Französisch müssen, wie das Englische, konsequent als Fremdsprachen unterrichtet werden. Mehr Wert soll zudem auf die kommunikativen Fähigkeiten (Sprechen und Schreiben) gelegt werden, ohne jedoch die strukturellen Aspekte des Sprachenunterrichts (Grammatik, Vokabular) zu vernachlässigen.

Ein Charakteristikum der Luxemburger Sekundarschule besteht im Wechsel der Unterrichtssprache von Deutsch auf Französisch in der Sekundarschule. Die Frage ist, ob dies für das Aneignen von Fachwissen eher hinderlich ist, oder nicht. Um dies zu überprüfen, will die DP eine entsprechende wissenschaftliche Studie in Auftrag geben.

Entscheidungsfreiheit der Schulen stärken und Einführung eines Schuldirektors in der Grundschule

Internationale Studien belegen, dass die Schulleitung eine Schlüsselrolle bei der Qualitätsentwicklung der Schulen spielt. Reformen können nur umgesetzt werden, wenn die Schulen weitreichende Entscheidungsfreiheiten erhalten und es gleichzeitig eine klare Hierarchie sowie eine klare Zuteilung von Verantwortung innerhalb der Schule gibt. Zusätzlich zu den horizontalen Strukturen, wie den „équipes pédagogiques“ spricht sich die DP für die Einführung des Schuldirektors in der Grundschule aus, der u.a. für die Umsetzung und Einhaltung der Lehrpläne gegenüber dem Ministerium verantwortlich ist und gleichzeitig die Lehrer administrativ entlastet.

Ernennung des Lehrpersonals reformieren

Die Einführung von Lehrerkontingenten in der Grundschule ist in Wahrheit ein klammheimlicher Personalabbau. Vor allem lokale Projekte (Team-Teaching usw.) oder die gezielte Intervention einer Lehrkraft bei Schülern mit besonderen Erfordernissen fielen diesem Abbau zum Opfer. Dies steht im starken Widerspruch zu den immer neuen Herausforderungen, denen sich die Schulen stellen müssen. Die Personalpolitik der Schulen darf nicht nach einem statistischen Schlüssel erfolgen, sondern muss den besonderen lokalen Gegebenheiten Rechnung zu tragen. Diese können am besten durch die Experten vor Ort (Lehrer, Inspektoren, Gemeindeverantwortliche) erkannt werden. Aus diesem Grund spricht sich die DP dafür aus, dem von uns geforderten Schuldirektoren ein Vorschlagsrecht zur Ernennung des Lehrpersonals einzuräumen. Die Experten vor Ort können bei Bedarf wieder zusätzliches Personal einstellen.

Stellenwert der Fachdidaktik stärken und mehr Fortbildungsangebote machen

Die Qualität unseres Bildungssystems ist für die DP ein zentrales Anliegen. Gute Bildung und ein guter Unterricht sind nicht denkbar ohne gut ausgebildete, engagierte und motivierte Lehrkräfte. Um zukünftigen Lehrkräften eine hochwertige und komplette Ausbildung mit auf den Weg zu geben, wollen wir den Stellenwert der Fachdidaktik innerhalb der Lehrerausbildung stärken und das Ausbildungskonzept so anpassen, dass es einen modernen Unterricht auf der Höhe der Zeit ermöglicht. Außerdem wollen wir für alle Lehrinnen und Lehrer, die schon im Berufsleben stehen, die Fortbildungsangebote ausbauen und praxisnaher gestalten, um sie so bei der Vorbereitung auf neue Aufgaben wirklich zu unterstützen.

Pädagogische und didaktische Kompetenzen bei Sekundarschullehrern stärken

Um eine gute Lehrerausbildung im Sekundarschulbereich garantieren zu können, müssen nach Ansicht der DP bereits grundlegende pädagogische und didaktische Kompetenzen bei den angehenden Lehrkräften vorausgesetzt werden, bevor diese ihre Referendariatszeit beginnen. Der „examen-concours“ soll nach Ansicht der DP nicht nur Fachwissen, sondern ebenfalls pädagogische und fachdidaktische Aspekte berücksichtigen. Daher wollen wir, dass Anwärter auf das „examen-concours“ eine gewisse Stundenzahl in Pädagogik und Fachdidaktik bereits vor dem Examen belegen. Die Universität Luxemburg könnte diese Kurse anbieten.

Um zu verhindern, dass angehende Lehrkräfte erst sehr spät in ihrer Ausbildung mit den schulischen Realitäten konfrontiert werden, will die DP ein Eignungspraktikum, als Voraussetzung für den Zugang zu einer Lehrerausbildung sowohl in der Grund- als auch in der Sekundarschule. Am Ende dieses Praktikum soll jedoch keine definitive Feststellung zur Eignung oder Nichteignung des Studenten stehen. Das Ziel der abschließenden Eignungsberatung, die mit einem Tutor durchgeführt wird, ist die persönliche Reflexion über die Studien- und Berufswahl sowie über die eigenen individuellen Stärken und Schwächen.

Um die Lehrerausbildung besser orientieren zu können, will die DP zudem mittels regelmäßiger Erhebungen bei den Lehrern analysieren lassen, auf welche Herausforderungen ihres Berufsalltags sie während des Studiums nur unzureichend vorbereitet wurden.

Fachdidaktikexperten in den Sekundarschulen einführen

Um den Lehrkräften bei Bedarf neue fachdidaktische Inhalte liefern zu können, wie sie ihren Unterricht anders und besser gestallten können, will die DP hauptberufliche Fachdidaktikexperten in der Sekundarschule einführen. In der Grundschule sollen die Inspektoren diese Rolle wieder übernehmen, nachdem sie die administrativen Aufgaben an einen Schuldirektor übergeben haben.

Lehrbücher modernisieren

Seit den Reformen in der Grundschule und in der Berufsausbildung fehlen bis heute noch in vielen Fächern passende und moderne Lehrbücher. Dies führt dazu, dass jeder einzelne Lehrer sich das didaktische Material oft mühselig in Eigenverantwortung zusammenstellen muss. Die DP will grundsätzlich lokale Lehrerteams bei der Ausarbeitung von neuen Lehrbüchern hinzu ziehen, damit diese mit den aktuellen Programmen übereinander stimmen.

Lehrern einen umfassenden Pool an Lehrmaterialien zur Verfügung stellen

Um im Rahmen eines individualisierten Unterrichts eine Vielzahl an differenzierten Aufgabenstellungen zu ermöglichen und unterschiedliche Lernstrategien ausprobieren zu können, brauchen wir einen umfassenden Pool an Lehrmaterialien, der den Lehrern, aber auch den Schülern und Eltern frei zur Verfügung steht. Nicht die eigenständige Ausarbeitung des Lehrmaterials darf bei der Vorbereitung auf eine Schuleinheit im Vordergrund stehen, sondern die Reflexion über den Wissensstand des einzelnen Schülers und die adäquate Auswahl der Aufgaben. Der Pool an Lehrmaterialien sollte in Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Schulen und ihren Didaktikexperten sowie dem SCRIPT und der Universität gespeist werden. Die Datenbank soll darüber hinaus über Internet eingesehen werden können.

Die Lehrbücher sollten nach Ansicht der DP so gestaltet werden, dass sie pro Lehreinheit unterschiedliche Aufgabenstellungen vorsehen, die sich aufgrund ihres Schwierigkeitsgrades voneinander unterscheiden. Leichte Aufgaben entsprechen den minimalen Bildungsstandards, mittelschwere Aufgaben den Regelstandards und schwere Aufgaben den maximalen Standards, die in den Lehrplänen festgehalten werden.

Schule und Familie zusammenbringen

Wenn die individuelle Betreuung des Schülers erfolgreich sein soll, dürfen Schule und Familie keine getrennten Lebensräume sein. Der Kontakt mit den Eltern muss deshalb zu einer wichtigen Aufgabe des Lehrers werden.

Aufgrund von wirtschaftlichen Zwängen und gesellschaftlichen Entwicklungen sind in immer mehr Familien beide Elternteile berufstätig. Auch muss den Bedürfnissen von allein erziehenden Elternteilen Rechnung getragen werden. Die Herausforderung für die Lehrer besteht dabei einerseits darin, die Eltern über die schulische Entwicklung zu informieren, andererseits aber auch darin, die Eltern als Partner in die Pflicht zu nehmen. Die klassischen Mittel (wie z.B. Elternabende) haben sich dabei als wenig hilfreich erwiesen. Aus diesem Grund müssen neue Wege in der Elternarbeit beschritten werden.

Die Einbindung der Eltern in den Schulprozess muss in der Luxemburger Grundschule weiter ausgebaut werden. Nur wenn Eltern und Lehrer gemeinsam an einem Strang ziehen, kann der Schüler optimal gefördert werden. Schule und Familie dürfen nicht weiterhin zwei voneinander abgekapselte Lebensräume sein.

In der bisherigen Kommunikation zwischen Lehrern und Eltern wurde oftmals der Fehler begangen, dass der Kontakt zwischen beiden Parteien erst dann aufgenommen wurde, wenn konkrete Probleme vorlagen. Der Kontakt beschränkte sich demnach häufig auf eine negative Kommunikation. Um den Kontakt mit den Eltern aufrecht erhalten zu können, müssen die Schule und die Lehrer, aber auch die Eltern, auch auf moderne Kommunikationsmittel wie SMS und E-Mail oder ein elektronisches Aufgabenheft zurückgreifen. Im Falle einer Verspätung des Schülers oder seiner Abwesenheit im Unterricht, sollten die Eltern unmittelbar davon per SMS in Kenntnis gesetzt werden.

Spezielle Schulung für Lehrer für einen besseren Umgang mit Eltern von Kindern mit Migrationshintergrund

Für die Eltern von Kindern mit Migrationshintergrund ist das Luxemburger Schulsystem mit seinen sprachlichen Anforderungen meist total fremd. So wissen viele etwa nicht, dass ab dem ersten Jahr der Grundschule die deutsche Sprache als Unterrichtssprache benutzt wird. Die Kinder ihrerseits haben aber meist besondere Bedürfnisse (z.B. Sprachenkompetenzen). Gleichzeitig hemmen Sprachbarrieren oder kulturelle Unterschiede den Austausch mit dem Lehrer. Die Lehrer sollten diesbezüglich ausgebildet werden, um ausländische Eltern besser beraten und begleiten zu können.

Verbindliches Engagement der Eltern einfordern

Leider werden aus den Schulen zunehmend mehr Fälle von Eltern gemeldet, die sich ihrem Erziehungsauftrag komplett entziehen und den Lehrer mit dem Schüler bei Erziehungs- und Bildungsfragen im Stich lassen. Die negativen Konsequenzen davon tragen die Kinder . Die DP ist der Auffassung, dass die Schule in diesen Ausnahmefällen ein entsprechendes Engagement der Eltern einfordern können muss. Für den Fall, dass die Eltern dieser Aufforderung nicht nachkommen, ist die DP der Ansicht, dass gegen die Eltern als letzte Maßnahme auch finanzielle Sanktionen ergriffen werden sollten. Dabei müssen jedoch soziale Gesichtspunkte berücksichtigt werden, sodass diese Maßnahme nicht zu einer weiteren Verschlechterung der Situation der Kinder führt.