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Unsere Analyse der Situation

Kurz vor den Parlamentswahlen 2009 haben alle im Parlament vertretenen Parteien den sogenannten „pacte culturel“, den eine Gruppe von Künstlern und Kulturinteressierten (Forum, Culture(s))zuvor ausgearbeitet hatte, öffentlich unterschrieben. Eine Reihe, der in diesem Papier enthaltenen Forderungen flossen tatsächlich in das Regierungsprogramm ein. Dennoch muss man heute mit Erstaunen feststellen, dass trotz  der hochtrabenden Ankündigungen der Regierung zahlreiche Forderungen entweder nicht umgesetzt oder schlicht  ad acta gelegt wurden.

Die DP plädiert für eine verlässliche und zugleich dynamische Partnerschaft mit den Künstlern, in der die verabredeten Engagements eingehalten werden. Die DP wird den vor gut vier Jahren unterzeichneten Kulturpakt im Dialog mit den Kulturschaffenden umsetzen.

Die europäischen Kulturjahre 1995 und 2007 hatten einen nachhaltigen Impakt auf die einheimische Kultur- und Kreativwirtschaft. In einer wissensorientierten Gesellschaft, wie wir sie heute kennen, ist die Entwicklung einer solchen Wirtschaft nicht allein von großer Bedeutung für das kulturelle und soziale Leben, sondern mindestens ebenso sehr für den Wirtschaftsstandort Luxemburg.

Kunst- und Kulturpolitik sind für die DP gleichbedeutend mit kultureller Vielfalt, Wertschätzung der Künstler und ihrer Arbeit und ihren Werke sowie einer Verbesserung der materiellen Situation der Kulturschaffenden.

Kulturpolitik ist in den Augen der DP nichts weniger als Gesellschaftspolitik und geht uns somit alle an.

Was wird die DP in den kommenden Jahren tun?

Den "Kulturpakt" einlösen

Die DP wird den „pacte culturel“, insbesondere jene Forderungen, die bislang nicht berücksichtigt wurden, mit allen interessierten Kulturschaffenden umsetzen.

Den freien Zugang zur Kultur fördern

Kultur ist ein Gut, das allen Menschen – unabhängig von ihrer gesellschaftlichen Stellung – zusteht. Dies meint nicht lediglich den eher passiven Konsum von Kultur, sondern ebenso den Abbau von Schranken beim Zugang zur aktiven Kulturgestaltung auf allen erdenklichen Ebenen.

Bei der Erziehung ansetzen

Kindern und Jugendlichen muss der Zugang zu Kultur und aktiver Kreativität leicht gemacht werden. Die DP wird im Rahmen der öffentlichen Schule eine neue Dynamik schaffen, die das Bewusstsein für Kultur schärft, indem sie die kreativen Talente unserer Kinder fördert, ihre Phantasie und Kreativität anregt. Auch wird sich die DP, vornehmlich auf lokaler Ebene, für eine stärkere Kooperation zwischen Schulen und Kulturinstituten (wie Bibliotheken, Theater, Museen usw.) einsetzen.

Kultur als Integrationsfaktor

Die DP ist davon überzeugt, dass die Kultur einen außerordentlichen Integrationsfaktor darstellt. Deshalb wird sie den Dialog zwischen Menschen mit unterschiedlichem kulturellem und sozialem Hintergrund unterstützen. Darüber hinaus wird die DP dafür Sorge tragen, dass kein Bürger aus finanziellen oder sozialen Gründen keinen Zugang zu kulturellen Ereignissen oder Entwicklungen findet.

In Kulturschaffende investieren

In den zurückliegenden Jahren haben die diversen Regierungen viele öffentliche Gelder in kulturelle Infrastrukturen investiert. Jetzt wird es höchste Zeit, diese Bauten im Sinne der Kulturschaffenden und Kunstinteressierten inhaltlich zu nutzen und mit kreativem Leben zu füllen. Dazu bedarf es einer optimalen Förderung der Künstler. 

Proaktive Partnerschaft zwischen Staat, Kunst und Kultur

Die DP ist sich der Verantwortung des Staates bei der Förderung und Finanzierung von Kunst und Kultur bewusst. Deshalb setzen wir auf eine proaktive, offene Partnerschaft, die den regelmäßigen Dialog zwischen Kulturschaffenden und öffentlichen Entscheidungsträgern pflegt. 

Kulturministerium als offene Begegnungs- und Kreativstätte

Die DP versteht das Kulturministerium nicht als geschlossene Verwaltung und will es offener gestalten, nicht zuletzt, um es den Künstler zugänglicher zu machen. Die DP wird prüfen, wie die Villa Louvigny mit ihrem offenen Umfeld sich als Infrastruktur für das Kulturministerium und öffentliche Kulturinstitute im Sinne einer Kreativstätte eignen könnte. So könnte beispielsweise der bestehende Konzertsaal aufgewertet werden.

Mangel an Proberäumen und Ateliers beheben

Proberäume für Musiker, Tänzer, Schauspieler oder Ateliers für Maler und Bildhauer sind nach wie vor Mangelware in Luxemburg. Die DP wird sich dafür einsetzen, den Künstlern angemessene Räumlichkeiten zugänglich zu machen, damit diese ihrer künstlerischen Tätigkeit in aller Freiheit nachgehen können. In diesem Sinne werden wir im Dialog mit den Gemeinden prüfen, welche schon vorhandenen öffentlichen Infrastrukturen zu Kreativstätten umfunktioniert werden können. 

Förderung unserer Künstler im In- und Ausland

Die nationale und internationale Promotion unserer Künstler ist ein Hauptanliegen der DP. Wir sind stolz auf unsere Kulturschaffenden. Wir sehen es daher als unsere Pflicht an, die sehen- und hörenswerten Werke unserer Kulturbotschafter im Ausland zu zeigen und zu vermitteln, damit sie auch dort die Anerkennung erlangen können, die sie verdienen. Auf dem internationalen Parkett ist das unzweifelhaft ein außerordentlicher Gewinn für das Image unseres Landes, das sich bislang fast ausschließlich auf wirtschaftliche Aspekte beschränkte.

Um dieses Ziel zu erreichen, muss das Ministerium vermehrt,  und gemeinsam mit den Hauptakteuren des Kultursektors (Galeristen, Film- und Musikproduzenten, Künstlern, Schriftstellern) in Promotionsreisen ins Ausland sowie in gemeinsame Stände bei internationalen Ausstellungen und Messen investieren. Parallel dazu wäre es von wesentlicher Bedeutung, Weiterbildungsstipendien zur Verfügung zu stellen, um den internationalen Austausch zu fördern.

Die DP ist der Meinung, dass die Wirtschaftsmissionen, die ins Ausland unternommen werden, jeweils eine kulturelle Komponente  beinhalten sollte. 

Angemessene soziale Rahmenbedingungen für Künstler

Die wenigsten Künstler können allein von ihrer kreativen Arbeit leben. Umso wichtiger ist es, die soziale Absicherung, sei es bei der Krankenversicherung, der Rente oder der Arbeitslosenentschädigung wesentlich zu verbessern.

Die DP prüft die Idee, die Mehrwertsteuer auf künstlerischen Darbietungen zu senken, mit dem Ziel eine faire Vergütung der Kreativleistungen und die Professionalisierung des Künstlerdaseins zu begünstigen.

Die DP begrüßt zudem die aktuelle Gesetzesnovellierung über den „statut de l’artiste professionnel indépendant et de l’intermittent du spectacle“ und wird dafür sorgen, dass sie wie vorgesehen umgesetzt wird.

Die DP plädiert ebenfalls dafür, fiskalische Anreize weiter zu fördern, um private Gelder über Mäzenatentum und Philanthropie in die Kultur fließen zu lassen.

Klare Regeln zur Kulturförderung einführen

Der Staat muss sich seiner Verantwortung in der kulturellen Subventionspolitik bewusst sein. In den Augen der DP muss die Verteilung der staatlichen Hilfen für kulturelle Projekte auf Regeln beruhen, die klar, transparent, nachvollziehbar und identisch für alle Antragsteller sind.

Außerdem werden wir die Rolle der verschiedenen Ministerien bei der Vergabe von Kulturfördermitteln unter die Lupe nehmen, wenn nötig, neu regeln. Eine interministerielle Struktur soll etwaigen Doppelfinanzierungen vorbeugen.

Damit die Kulturschaffenden sich voll und ganz der Ausübung ihrer Kunst widmen können, dürfen sie nicht durch administrative Behördengänge in ihrer kreativen Entwicklung behindert werden. Die DP wird die Verwaltungsprozeduren, etwa bei Förderungsanträgen, verringern.

Das materielle und immaterielle nationale Kulturerbe schützen

Die heutigen Dokumentationsmöglichkeiten sind atemberaubend. Die Digitalisierung erlaubt es, alle luxemburgischen gedruckten, elektronischen oder audiovisuellen Veröffentlichungen zu archivieren, zu restaurieren und für die Öffentlichkeit bequem zugänglich zu machen. Dazu wird die DP die Infrastrukturen des Nationalarchivs und der Nationalbibliothek schnellstens modernsten Standards anpassen. Das Archiv muss in neue, moderne Räumlichkeiten umziehen, um seiner Aufgabe als nationaler  Akteur in diesem Bereich gerecht werden. Der Neubau der Nationalbibliothek muss zügig vorangetrieben werden.

Außerdem gilt es, angemessene Konservierungs- und Archivierungsstandards für die öffentlichen Dokumente zusammen mit dem Nationalarchiv, der Nationalbibliothek, dem Nationalen Literaturzentrum, dem „Centre national de l'audiovisuel“ sowie den öffentlichen Behörden von Staat und Gemeinden einzuführen.

Die Universität Luxemburg wird in die Aufarbeitung unseres nationalen Kulturerbes mit eingebunden werden.

Darüber hinaus wird die DP  historisch wertvolle Bauten schützen und eine moderne, nachhaltige Architektur konsequent fördern. Wir setzen uns für eine Baukultur ein, die sowohl durch eine historische als auch eine formale Vielfalt geprägt ist. Bei großen öffentlichen Bauvorhaben werden wir die nationalen Architekten in Konkurrenz zu internationalen Baumeistern setzen. Zusammen mit dem „Ordre des architectes et des ingénieurs-conseils“ (OAI) werden wir ein Programm zur Förderung der Baukultur in Luxemburg aufstellen und verwirklichen.

Die DP steht für eine rasche Reform des Denkmalschutzgesetzes unter Berücksichtigung von bestehenden international Konventionen und Chartas. Im Zuge der Reform des Denkmalschutzgesetzes soll auf die Arbeitsweise des Denkmalschutzkommission (COSIMO) neu definiert werden.