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Einstimmig hat meine Partei mich zum Spitzenkandidaten der Demokratischen Partei für die Nationalwahlen 2009 gewählt. Eine Aufgabe, die mich mit Freude und Stolz erfüllt. Eine Herausforderung, die ich annehme und mit großem Engagement angehen werde.
Gerade dieses Engagement in der Politik ist heute jedoch keine Selbstverständlichkeit mehr. Viele Luxemburger werden sich vielleicht fragen, was einen jungen Menschen in unserer heutigen Zeit dazu antreibt, politisch aktiv zu werden. Ich bin Jahrgang 1971. Zu spät geboren um den 2. Weltkrieg oder seine direkten Folgen erlebt zu haben. Zu spät geboren, um an den Demonstrationen von Mai 68 teilgenommen zu haben. Welche sind dann die „Ungerechtigkeiten“, die mir widerfahren sind? Was treibt mich an?
Es war nie mein Ziel, Berufspolitiker zu werden. Nun bin ich es trotzdem geworden – zumindest vorübergehend. Vielleicht deswegen bin ich einer der wenigen Nicht-Anwälte in der Politik. Ich habe nach meinem Studium der Mathematik und Wirtschaftswissenschaften im Bankgewerbe gearbeitet, ehe ich 1999 ins Parlament gewählt wurde. Im Jahr 2002 habe ich in einer schweren lokalpolitischen Krise das Amt des Differdinger Bürgermeisters übernommen. Mit 32 Jahren wurde ich zum Präsidenten der Demokratischen Partei gewählt, nachdem diese eine bittere Wahlniederlage erfahren hatte. Und nun führe ich als Spitzenkandidat meine Partei in die Nationalwahlen 2009.
Es waren nicht große weltpolitische Ereignisse, die mich dazu bewegt haben, den Schritt in die Politik zu wagen. Es waren die Ungerechtigkeiten und Schicksale, die ich in meiner unmittelbaren Umgebung erfahren habe. Das Differdingen, in dem ich aufgewachsen bin, war geprägt vom Niedergang der Stahlindustrie. Innerhalb von wenigen Jahren wurden tausende von Arbeitsplätzen abgebaut. Doch die Stahlkrise begrenzte sich nicht nur auf die Wirtschaft. Sie riss eine ganze Gesellschaft, eine ganze Region in die Krise. Ich habe als Jugendlicher erlebt, was es heißt, wenn die Unternehmen ihre Aktivitäten einstellen müssen, wenn Arbeitsplätze abgebaut werden, wenn nach und nach die Geschäfte schließen, die Menschen verarmen, die öffentlichen Infrastrukturen herunterkommen und diejenigen, die es sich leisten können, wegziehen.
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