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Es ist erstaunlich, wie weit die Politik sich manchmal von den eigentlichen Bedürfnissen der Menschen entfernt. Ein erschreckendes Beispiel dafür ist die Familienpolitik. Jeder von uns kennt junge Eltern. Was treibt sie um, welches sind ihre Probleme? Warten diese jungen Familien wirklich auf eine möglichst baldige Kindergelderhöhung? Nein! Sie stellen sich viel grundlegendere Fragen: Habe ich eine Ausbildung gemacht, studiert, um mich jetzt allein meinem Kind zu widmen oder kann ich mein Leben dadurch erfüllen, dass ich Beruf und Familie miteinander vereinbare? Ist unsere Wohnung groß genug? Können wir unsere Wohnung weiterfinanzieren, wenn der Lebenspartner seine Erwerbstätigkeit einschränkt oder aufgibt? Wenn beide arbeiten, wer betreut die Kinder während der Arbeitszeiten? Wie viel kostet die Betreuung? Was bleibt vom zweiten Gehalt, wenn Betreuungskosten, Steuern und Sozialabgaben abgezogen sind? Was sagt mein Arbeitgeber dazu, wenn ich ein Kind bekomme? Wird meine Karriereplanung dadurch beeinträchtigt? Diese und andere Fragen sind es, die die Menschen neben der Freude auf ihr Kind bewegen.
Die Menschen stellen dabei immer wieder fest, dass die Antwort auf diese Fragen sie in Situationen bringt, wo nicht sie, sondern die Umstände entscheiden. Es besteht keine freie Wahl, keine echte Chancengleichheit zwischen Männern und Frauen. Noch immer führt das bestehende familienpolitische System dazu, dass vor allem Frauen ihre Berufstätigkeit einschränken oder gar ganz aufgeben. Oft eben nicht aus freien Stücken, sondern ungewollt als Folge des Systems. In vielen Haushalten sind heute beide Partner aufgrund der hohen Wohnungspreise dazu gezwungen, erwerbstätig zu sein. Doch die Erwerbstätigkeit ist nicht nur Notwendigkeit. Sie ist für viele gut ausgebildete Frauen heute eine Erfüllung, die sie suchen, wie ihre männlichen Kollegen.
Dies bedeutet, dass die Ansprüche an die Familienpolitik heute völlig andere sind als noch vor zwanzig Jahren. Heute leben die Menschen vielfältige, unterschiedliche Familienmodelle. Aber unser Steuersystem und unsere Familienleistungen funktionieren immer noch so, als gäbe es nur ein einheitliches Modell.
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