Bürgerdialog in Vianden

Die Perspektiven für den Norden des Landes standen im Mittelpunkt des Diskussionsabends am Montag, dem 19. Oktober 2026, im Ancien Cinéma in Vianden. Gut zwei Stunden lang diskutierten die Bürgerinnen und Bürger mit den Ministern Xavier Bettel und Eric Thill sowie den Nordabgeordneten André Bauler und Marc Hansen über die Zukunft der Region und die Herausforderungen für unser Land. Der Abend wurde von Angèle Mersch moderiert.

Die Politik muss den Menschen zuhören und ihre Sorgen ernst nehmen, auch außerhalb von Wahlkampfzeiten, betonte Xavier Bettel zu Beginn. Gerade in Krisenzeiten, deren Auswirkungen die Menschen auch im Alltag spüren, brauche es Vertrauen in einen Staat, der seiner Verantwortung gerecht wird.

„Ich zähle darauf, dass ihr euch weiterhin für Politik interessiert. Denn wenn ihr uns nicht kontrolliert, glauben Politiker, sie könnten machen, was sie wollen. […] Vergesst nie: Ihr seid nicht für die Politiker da, sondern die Politiker sind für euch da. Und erinnert sie daran, wenn sie es zu schnell vergessen haben.“ – Xavier Bettel

Ein starker Norden mit konkreten Perspektiven

Die Menschen sollen überall auf leistungsfähige öffentliche Dienste zählen können. Investitionen in die Bildung und die Dezentralisierung der Verwaltung greifen dabei ineinander, erklärte André Bauler. Als Beispiele nannte er die Entwicklung auf dem Gelände der ehemaligen Ackerbauschule in Ettelbrück, das geplante Nordstadlycée und den Ausbau des Lycée in Clerf. Im Gesundheitsbereich müsse das Angebot an den Bedarf angepasst werden. André Bauler sprach sich für eine zusätzliche Maison médicale im nördlichen Ösling aus. Auch müssten sich Ärzte leichter zusammenschließen können. Der Ausbau ambulanter Einrichtungen solle zudem dazu beitragen, die Versorgung zu verbessern.

Darüber hinaus bezeichnete André Bauler die Diversifizierung unserer Wirtschaft als eine zentrale Aufgabe: Neben einer wettbewerbsfähigen Industrie und einem starken Finanzplatz sollten sich neue Tätigkeitsfelder entwickeln, unter anderem in den Gesundheits-, Umwelt- und Energietechnologien.

„Die Wirtschaft hat eine dienende Funktion. Den Sozialstaat, den wir hier in Luxemburg haben und der für sozialen Frieden sorgt, können wir uns leisten, weil wir sehr viel Innovation und zahlreiche neue Aktivitäten haben, die in unserem wirtschaftlichen Ökosystem entstehen.“ – André Bauler

Marc Hansen griff den Klimaschutz als einen Schwerpunkt der parlamentarischen Arbeit der DP nach der Sommerpause erneut auf. Für die Fraktion gehörten die Verringerung unserer Abhängigkeit von fossilen Energien, die Versorgungssicherheit und die Entlastung der Haushalte zusammen. Die Energiewende müsse so gestaltet werden, dass die Menschen sie im Alltag mittragen können.

Deshalb hob der Abgeordnete die Vorfinanzierung der Fördermittel hervor, wie sie bei Photovoltaikanlagen praktiziert wird. Dieser Grundsatz solle auch beim Sozialleasing von Elektroautos für Menschen mit kleinerem Budget gelten.

„Wenn wir über Klimaschutz sprechen, sprechen wir sehr viel über pragmatische Lösungen für den Einzelnen. Wir müssen sehen, dass wir von den fossilen Energien wegkommen, sowohl wegen der Probleme, die wir weltweit erleben, als auch zum Schutz des Klimas.“ – Marc Hansen

Marc Hansen sprach außerdem die Sicherheit auf der N7 und die Umgehungsstraßen an und stellte die Frage, ob eine Straßenbahn im Norden eine sinnvolle Ergänzung wäre.

Kultur und Sprache, die Menschen zusammenbringen

Kultur, Tourismus und regionales Leben bieten großes Potenzial für die Wirtschaft im Norden des Landes, erklärte Kulturminister und beigeordneter Tourismusminister Eric Thill, der diese Stärken miteinander verknüpfen möchte. Schlösser, Museen, lokale Traditionen und eine lebendige Kulturszene ziehen Besucher an und beleben beispielsweise die Gastronomie und Hotellerie. Gleichzeitig wird die Region dadurch auch für ihre Einwohner attraktiver.

„Kultur ist nicht nur für ein bestimmtes Publikum da. Ich bin der Meinung, dass Kultur für alle da und zugänglich sein sollte. Deshalb haben wir uns in den vergangenen Monaten auch mit der Frage beschäftigt: Wen erreichen wir derzeit mit unserem Kulturangebot hier in Luxemburg noch nicht, und warum ist das so?“ – Eric Thill

Mit dem Aktionsplan für den Zugang zur Kultur sollen unterschiedliche Barrieren abgebaut und auch jungen Menschen Möglichkeiten geboten werden, ihre kulturellen Interessen und ihre Kreativität zu entfalten.

Noch nie sei so viel getan worden, um die luxemburgische Sprache zu fördern. Eric Thill verwies auf den Ausbau der Luxemburgischkurse, digitale Lernmöglichkeiten und berufsspezifische Angebote. Diese könnten insbesondere die Kommunikation in der Pflege, in Krankenhäusern sowie im Hotel- und Gaststättengewerbe verbessern. Die Mehrsprachigkeit sei und bleibe eine große Stärke Luxemburgs.

In Vianden war übrigens auch Thomas Erdbrink dabei, der unter anderem aus dem Iran berichtet und als Büroleiter für die New York Times gearbeitet hat. Der niederländische Journalist wollte von Xavier Bettel wissen, warum Donald Trump mit Wladimir Putin spricht, während Europa so wenig Kontakt zu Russland hat.

Diplomatie müsse auch unter schwierigen Bedingungen möglich bleiben, antwortete Luxemburgs Außenminister. Er erinnerte an seine eigenen Gespräche mit Wladimir Putin und Wolodymyr Selenskyj zu Beginn des Krieges, für die er zum Teil scharf kritisiert worden sei. Der Erfolg der Diplomatie hänge auch von menschlichen Beziehungen ab und davon, ob man einen guten Draht zu seinem Gesprächspartner aufbauen könne.

Zugleich hielt Xavier Bettel ein Plädoyer für ein geschlossenes und selbstbewusstes Europa. Luxemburg werde dabei seine Stimme klar einbringen, denn die Größe eines Landes habe nichts mit seinem diplomatischen Einfluss zu tun.

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