Danke für alles, Colette!

Luxemburg hat heute eine der prägendsten politischen Persönlichkeiten seiner jüngeren Geschichte verloren. Als herausragende Figur des politischen Lebens unseres Landes hat Colette Flesch Luxemburg nachhaltig mitgestaltet und entscheidend zur Förderung der Gleichstellung von Frauen und Männern in den vergangenen Jahrzehnten beigetragen.

Die Demokratische Partei verliert eine Führungspersönlichkeit, eine Mentorin und eine Freundin, deren Einfluss auf die Partei und auf das politische Leben Luxemburgs außergewöhnlich war. Colette Flesch hat die DP und ihre Zeit in besonderer Weise geprägt.

Mit einem offenen Geist und einer großen Freude am Umgang mit Menschen ist Colette Flesch durchs Leben gegangen. Mit Intelligenz und Fleiß setzte sie sich in einer lange von Männern dominierten politischen Welt durch und vergaß dabei nie den Rat, den Gaston Thorn ihr mit auf den Weg gegeben hatte: Man muss jedes Dossier besser kennen als alle anderen. Bis zuletzt blieb sie offen für Neues und genoss das Leben in all seinen Facetten. Als leidenschaftliche Sportlerin nahm sie als Fechterin an drei Olympischen Spielen teil.

Am Ende ihrer politischen Laufbahn blickte Colette Flesch ohne Reue zurück: Wer Entscheidungen trifft, macht auch Fehler. Dankbar war sie jedoch dafür, an bedeutenden Reformen mitgewirkt zu haben: an der Abschaffung der Todesstrafe, der Liberalisierung des Schwangerschaftsabbruchs, der Einführung der Palliativpflege sowie der Entkriminalisierung der Euthanasie. Als Wirtschaftsministerin war sie zudem am Erhalt der Stahlindustrie beteiligt. Besonders am Herzen lag ihr jedoch die Reform der zivilrechtlichen Stellung verheirateter Frauen.

Auch in den großen Debatten der Abgeordnetenkammer zeigte sich ihre ganze Stärke: ihre Intelligenz, ihre Empathie und ihre brillante Rhetorik. Colette Flesch war eine überzeugte Demokratin und soziale Liberale, die auf der politischen Bühne durch Argumente überzeugte.

Als Bürgermeisterin erwarb sich Colette Flesch große Verdienste um die außergewöhnliche Entwicklung der Stadt Luxemburg.

Colette ist da! War sie anwesend, konnte ein Parteitag, eine Generalversammlung oder ein Informationsabend beginnen. Bis zuletzt blieb sie der Demokratischen Partei freundschaftlich und loyal verbunden. Sie kann stolz auf ihr Leben und ihr Wirken sein.

Die Demokratische Partei trauert. Zugleich ist sie dankbar und stolz, eine so außergewöhnliche Frau in ihren Reihen gehabt zu haben.

Die Demokratische Partei dankt Colette für alles.


Die gebürtige Düdelingerin Colette Flesch floh am 10. Mai 1940 im Alter von drei Jahren gemeinsam mit ihren Eltern vor den Nationalsozialisten. Ihr Vater verstarb kurz darauf in Frankreich. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kehrte sie mit ihrer Mutter nach Luxemburg zurück. Nach dem Besuch des Mädchengymnasiums auf dem Limpertsberg erhielt sie ein Stipendium und studierte Wirtschaft und Politikwissenschaften am Wellesley College sowie an der Fletcher School of Law and Diplomacy in Massachusetts, USA.

1964 trat Colette Flesch eine Stelle im Generalsekretariat des Ministerrats der damaligen Europäischen Gemeinschaften in Brüssel an. 1968, kurz nach ihrer Teilnahme an den Olympischen Spielen in Mexiko-Stadt, bat Gaston Thorn sie, bei den Parlamentswahlen zu kandidieren. Die Demokratische Partei trat in die Regierung ein, und Colette Flesch wurde Abgeordnete der Abgeordnetenkammer sowie Mitglied des Europäischen Parlaments.

1969 wurde sie bei ihren ersten Gemeindewahlen zur Spitzenkandidatin gewählt und mit 32 Jahren erste Bürgermeisterin der Stadt Luxemburg. Dieses Amt übte sie fast elf Jahre lang aus. 1981 folgte sie Gaston Thorn als Vizepremierministerin sowie als Ministerin für auswärtige Angelegenheiten, Justiz und Wirtschaft in der Regierung nach.

1976 wurde Colette Flesch erste Generalsekretärin der Demokratischen Partei, 1981 deren erste Präsidentin.

Von 1990 bis 1999 war sie Generaldirektorin für die Bereiche Information, Kommunikation, Kultur und Audiovisuelles bei der Europäischen Kommission.

Europäisches Parlament in Straßburg, September 1979 (©️ Europäische Union 1979 – EP)

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