Lex Krieps – Chancen- und Leistungsgerechtigkeit

Lex Krieps wurde 1946 im englischen Guildford geboren. Warum in England? Weil seine Mutter – eine gebürtige Irin – sich dort wohlfühlte, um ihre drei Kinder zur Welt zu bringen. Auch wenn sie ein Jahr zuvor zu ihrem Mann – dem Widerständler, Offizier und späteren Minister Emile Krieps – nach Luxemburg gekommen war. Daher steht in Lex’ Reisepass AlexandER und nicht AlexandRE.

Die Familie lebte in der Hauptstadt. Lex spielte Handball beim ‚Standard Bonnevoie‘, aber vor allem Fußball bei den Red Boys Differdingen. Als Luxemburg 1964 bei der Europameisterschaft in Amsterdam gegen Dänemark spielte, schrieb ihm sein Vater sogar eine Entschuldigung, um mit in die Niederlande reisen zu können.

Zu Hause wurde Englisch und Luxemburgisch gesprochen. Die Familie lebte seit 1950 in Belair. Lex hatte eine tolle Jugend: „Wir haben viel gespielt, wir haben an der Petrusse Kirschen von den Bäumen geschüttelt und sie sind viel Fahrrad gefahren. Es war die Zeit von Charly Gaul.“ Lex macht seine ‚Premiere C classique‘ am Athenäum in Luxemburg.

Im Fernsehen sieht er Berichte von Pierre Lazareff und Igor Barrère über Medizin. Das faszinierte Lex so sehr, dass er nach Montpellier geht, um Medizin zu studieren. Es war eine Zeit großer Veränderungen in der Medizin. Damals studierten in Montpellier auch der Freund und Schwager Carlo Bock, Jean Bisdorff, Jean Beissel und Bob Steinmetzer. Das waren gute Jahre. Lex und seine Freunde arbeiten viel, lassen es sich aber auch gut gehen.

46 Jahre im Bahnhofsviertel

1975 ließ sich Lex als Allgemeinmediziner im Bahnhofsviertel von Luxemburg-Stadt nieder. Anfangs wohnte er auch dort. Am Ende arbeitete er 46 Jahre lang in seiner Praxis.

„In den ersten Jahren habe ich viele Hausbesuche gemacht, es waren lange Tage. Ich ging auch nachts los, um Sterbeurkunden an der Petrusse auszustellen…“ In dieser Zeit baute sich Lex bei den Expats, die dabei waren ins Land zu kommen, einen guten Ruf auf. Die Probleme im Bahnhofsviertel sieht er eher pragmatisch.

„Es gibt generell mehr Drogen. Andere Zentren wie Esch oder Ettelbrück haben gezögert, die notwendigen Einrichtungen für Drogenabhängige bereitzustellen. Die Straßenprostitution kam, als die Bordelle geschlossen wurden.

Es ist eben ein Bahnhofsviertel, mit allen Vor- und Nachteilen!

Nicht zu verwechseln mit Charly’s Gare.” 😉

Am 13. Dezember 1999 hielt Lex seine erste Rede als liberaler Abgeordneter am ‚Krautmarkt‘. 2018 kandidierte er dann nicht mehr bei den Parlamentswahlen. Er erinnert sich gerne an diese Jahre zurück: „Ich habe mich mit fast allen gut verstanden.“ In der Gemeinde Contern – wo er mit seiner Frau Mieke drei seiner Kinder großzog – war er auch kurze Zeit im Gemeinderat.

Lebenslanges lernen

Lex’ Aufgabengebiete waren immer Gesundheit und Arbeit. Der Allgemeinmediziner hat ganz klare Grundsätze: „Die öffentliche Gesundheit ist für unser Land von grundlegender Bedeutung. Ich lehne den Versuch ab, etwas davon aus der Öffentlichen Hand zu geben.“ Sorgen macht ihm auch der Mangel an Hausärzten: „Dabei ist es ein schöner und wichtiger Beruf.“ Ein Beruf, in dem man ständig auf dem Laufenden sein muss. Bis heute bekommt Lex wichtige internationale Publikationen nach Hause geschickt: „Ich lese die alle, die sind nicht zur Show da.” Er besuchte viele Jahre lang die großen Kongresse in Boston, Baltimore und Chicago um immer auf dem letzten Stand zu sein: „Wir brauchen eine Regelung für lebenslanges Lernen im Beruf. Das wäre sehr wichtig.“

Mehr Doktor Nati und weniger Doktor Pizzaferri

Der Beginn von Lex’ Ruhestand fiel in die Corona-Pandemie. Die Regierung würde einen ziemlich guten Job machen. Er ist jedoch der Meinung, dass jetzt die Zeit für eine Impfpflicht gekommen ist. Zumindest für Menschen, die mit anderen Menschen in Kontakt stehen. Also Angestellte im Pflege- und Gesundheitsbereich, in den ‚Maison Relais‘ oder in den Kinderkrippen. Aber auch für Menschen im öffentlichen Dienst, die direkt mit der Öffentlichkeit zu tun haben. Lex kann nicht nachvollziehen, warum das Arbeitsrecht über dem Gesundheitsrecht steht. „Die Gesundheitsministerin sollte mehr auf Dr. Nati vom CHL hören als auf Dr. Pizzaferri!” Und wenn Marc Fischbach behaupte, dass die COPAS seit letztem Sommer gut aufgestellt sei, denkt Lex, dass das wohl einen Sommer zu spät war.

Leistungsgerechtigkeit

Lex hat von zu Hause eine starke soziale Ader. Deshalb hat er sich immer für Chancen- und soziale Gerechtigkeit eingesetzt. Was er nicht versteht, ist, dass die Bestrebungen in Richtung Chancengleichheit gehen. „Ich bestehe auf Leistungsgerechtigkeit. Es kann nicht sein, dass ein Teil der Bevölkerung auf Kosten des Staates lebt und dafür keine Entschädigung leisten muss. Jeder hat einen Beitrag zum Ganzen zu leisten.“

18 Jahre Präsident

Solidarität und Fairness sind auch Prinzipien, die Lex am Rugby schätzt. Er war 18 Jahre lang Präsident des Luxemburger Rugbyverbandes. Es vergeht kein Jahr, in dem er nicht mindestens ein Spiel des Sechs-Nationen-Turniers besucht. Gemeinsam mit seinen Freunden. Denn Rugby ist vor allem Geselligkeit und Freundschaft. Und davon kann Lex nicht genug bekommen …

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