Charles Goerens: Ich würde es vorziehen, wenn die Briten in der EU blieben

Der Verhandlungsführer der EU, Michel Barnier, wurde weithin für seine Arbeit bei den Brexit-Verhandlungen gelobt. Der liberale Europaabgeordnete Charles Goerens teilt die Ansicht: „Ohne Barniers breites Wissen und sein ruhiges Wesen wäre ein Abkommen mit Großbritannien nicht möglich gewesen. Er ließ sich nie aus dem Konzept bringen.“ Nach diesen Verhandlungen würde es sowieso keinen Gewinner geben. Es sei eher darum gegangen, den Schaden auf beiden Seiten zu begrenzen. „Aber eine vernünftige Vereinbarung ist besser als gar keine“, so Charles Goerens.

Tatsache sei aber, dass das Brexit-Erdbeben weitere Nachbeben mit sich bringen wird, sagte der ehemalige DP-Minister. Er unterstreicht die wachsenden Spannungen über die Unabhängigkeit Schottlands und auch die vielen, vor allem jungen Briten, die seit dem Brexit für die EU auf die Straße gegangen sind.

Die Möglichkeit für beide Seiten, in wenigen Jahren einige Punkte aus der Vereinbarung noch einmal zu überprüfen, etwa die Fangquoten – die sich besonders gut für populistische Aktionen eignen – sieht Charles Goerens eher nüchtern. „Das war eine der Klauseln, um zu einem Kompromiss kommen zu können. So ist Politik, und das war der Preis, den wir für einen Deal bezahlen mussten.“

In Bezug auf die praktischen Auswirkungen für Nicht-Briten in Großbritannien stellt der liberale Europaabgeordnete fest, dass die Rechte dieser Menschen erhalten bleiben. Für Menschen ohne Rechte wäre es jedoch schwieriger, diese zu bekommen. Er bedauert daher, dass sein Vorschlag einer ‚Unionsbürgerschaft“ nicht berücksichtigt wurde.

Für Charles Goerens ist es klar, dass das Gewicht Großbritanniens in der Welt nicht zunehmen wird. Und das würde auch für die EU gelten. Abgesehen davon hätte er es vorgezogen, wenn die Briten in der EU geblieben wären…

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