Corinne Cahen

Interview mit der Familienministerin Corinne Cahen

DP: Corinne, Du besuchst regelmäßig Alten- und Pflegeheime. Wie geht es den Menschen?

CC: In den meisten Fällen geht es den Bewohnern gut. Allerdings höre ich jeden Tag von älteren Menschen, dass sie nie wieder eingesperrt werden wollen. Das kann ich sehr gut verstehen. Wir werden deshalb alles dafür tun, dass alle Menschen auch in Alten- und Pflegeheimen ein selbstbestimmtes Leben führen können. Gleichzeitig werden wir die Bewohner natürlich auch so gut wie möglich vor Covid-19 schützen. Die Bewohner der Alten- und Pflegeheime sind fast alle geimpft. Ich hoffe, dass Covid 19 bald nur noch eine schlechte Erinnerung ist.

DP: Was hat das Familienministerium bisher in der Krise getan?

CC: Im März letzten Jahres haben wir uns intensiv darum bemüht, dass die Heime mit der notwendigen Schutzausrüstung ausgestattet werden. Das war damals nicht einfach, es fehlte uns an allem. Gemeinsam mit den jeweiligen Führungskräften haben wir dafür gesorgt, dass die Bewohner während des ersten ‚Lockdowns‘ geistig und körperlich in Bewegung gehalten wurden. Wir haben auch mit dem Gesundheitsministerium und mit COPAS (d.h. dem Verband der Heime) Empfehlungen ausgearbeitet, an die sich alle Häuser gehalten haben. Diese Empfehlungen regeln das Verhalten von Geschäftsführung, Personal und Bewohnern in verschiedenen Situationen, die zu verwendenden Materialien und die anzuwendenden Verfahren.

Für uns war es wichtig, jederzeit differenzierte Antworten auf sehr unterschiedliche Situationen zu geben.

Corinne Cahen

Außerdem haben wir gemeinsam mit den Ärzten so genannte ‚Lignes de garde‘ organisiert, damit die Menschen zu Hause behandelt und gepflegt werden konnten – auch nachts und an Wochenenden. Es war uns wichtig, immer eine Balance zwischen Virenschutz und persönlicher Freiheit zu finden. Und die Maßnahmen mussten so sein, dass sie die Menschen nicht kränker machten als das Virus selbst.

Wir haben die Covid-Kits organisiert (die richtigen Medikamente, damit die Menschen richtig versorgt werden konnten), wir haben Hygieneschulungen organisiert und wir haben Indikatoren für die Überwachung eingeführt. All dies zusätzlich zu dem ständigen Kontakt, den ich mit den Verantwortlichen hatte, um gemeinsam auf jede einzelne Situation reagieren zu können.

Wir haben auch sofort eine Hygienereserve eingerichtet, auf die sich die Manager ebenfalls verlassen haben. Wir dürfen nicht vergessen, dass aufgrund von Quarantäne und Isolation immer wieder Personal ausgefallen ist.

Mit dem LST haben wir im Herbst 2020 ein systematisches Testen in den Häusern eingeführt, sowohl Bewohner als auch Personal wurden regelmäßig getestet und Ende Dezember 2020 begann die Impfkampagne.

Als im letzten Jahr endlich verlässliche Schnelltests eingeführt wurden, wurden sie in das COVID-Gesetz aufgenommen und werden auch heute noch systematisch von Bewohnern, Personal und Besuchern genutzt.

DP: Was war das Schlimmste für Sie in dieser Zeit?

CC: Am schlimmsten ist es, wenn Menschen krank werden und sterben. Ich habe selbst schon so viele schlimme Situationen erlebt, das geht einem sehr nahe. Es tat mir auch sehr weh, wenn Menschen weinten, weil sie ihre Familie nicht sehen durften. Es ist furchtbar, Menschen ihrer Freiheit berauben zu müssen, um sie zu schützen. Und dann die Trennung vorzunehmen, zwischen den Menschen, die schreckliche Angst vor dem Virus haben, und denen, die lieber das Risiko eingehen, ihre Lieben in den Arm zu nehmen, als isoliert zu sein. Deshalb haben wir im Herbst auch beschlossen, die Häuser nicht mehr zu schließen, sondern die Sicherheitsmaßnahmen rund um die Häuser deutlich zu erhöhen, mit Wachposten, den Tests und Impfnachweis.

DP: Wie bereitet sich der Sektor auf den Herbst vor?

CC: Die Bewohner sind fast alle geimpft, und sie haben jetzt das Recht auf eine dritte Impfung, um ihre Antikörper wieder zu erhöhen. Das bedeutet, dass der Verlauf einer Infektion nicht so schwerwiegend sein sollte. Ich würde mich freuen, wenn die Durchimpfungsrate beim Personal noch höher wäre.

Ich werde neue Empfehlungen herausgeben, die wir gemeinsam mit dem Pflegebereich und dem Gesundheitssektor erarbeitet haben. Es geht vor allem darum, wie man sich verhält, wenn einige Bewohner wieder positiv sind. Und diejenigen, die in die Einrichtungen einziehen, müssen zunächst unter Quarantäne gestellt werden, wenn sie nicht geimpft sind.

DP: Ist es möglich, Alten- und Pflegeheime wieder zu besuchen?

CC: Ja, Besuche sind für ältere Menschen sehr wichtig. Deshalb wollen wir alles in unserer Macht stehende tun, um Besuche nicht mehr einzuschränken. Beim Besuch eines Alten- oder Pflegeheims gilt der „Covid-Check“.

Das funktioniert sehr gut, und wir werden die gute Arbeit fortsetzen. Der Besucher sollte eine Maske tragen und, wenn möglich, Abstand halten. Alle müssen mithelfen, das Virus aus den Heimen herauszuhalten. Und das geht am besten, wenn die Hygienemaßnahmen eingehalten werden.

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